Curriculum vitae 2 Bde. (1996)

Erinnerungen 1881-1918
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  • Verlag: Aufbau-Verlag, Berlin
  • 01.01.1996
  • Antiquarisches Buch
  • 619 + 751 Seiten
  • festgebunden in Schuber
  • ISBN: ANTIDIV018
sehr guter Zustand, wie neu

Zwangsweise emeritiert, durch vielerlei Verbote in seiner wissenschaftlichen Arbeit gehindert, begann der Dresdner Romanist Victor Klemperer 1939 mit der Niederschrift seiner Autobiographie. "Mit dem Bibliotheksverbot bin ich nun buchstäblich arbeitslos geworden. Ich habe mir vorgenommen, nun wirklich einen Vita-Versuch zu wagen." So hatte er es in seinen kürzlich erschienenen Tagebüchern notiert, die mit dem Alltag der Judenverfolgung auch die entwürdigenden Umstände festhielten, unter denen die "Vita" entstand: jenes geschliffene Zeit- und Sittenbild des deutschen Mittelstandes vor und nach der Jahrhundertwende von höchster Genauigkeit, ohne Sentimentalität oder Bitterkeit. "Das ist das schlechterdings Fabelhafte der Prosa-Existenz Victor Klemperers: seine unter gar allen Umständen gleichbleibende Genauigkeit, die sich oft genug auswächst zu einer Unerbittlichkeit gegen ihn selbst." Martin Walser in seiner Laudatio auf Victor Klemperer zur Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises 1995 "Klemperers Curriculum ist ein Ozean komplexer Beziehungen zwischen banalster Alltäglichkeit, Begegnungen mit der Geschichte und Ausflüge in die Gefilde von Kunst und Literatur. Diese ungeschminkte Mobilisierung komplexester Lebenszusammenhänge eines deutsch-nationalen jüdischen Mitbürgers von der Zeit der Jahrhundertwende bis zum Ausgang des Ersten Weltkrieges läßt einen Kosmos vergangener Lebensbezüge wieder lebendig werden, und damit auch ein sprachliches Medium (der naturalistisch-jugendstilistischen literarischen Denkstrukturierung), das wir tot und vergessen wähnten. Curriculum vitae ist nicht zuletzt auch in der Sublimierung banaler Sprach- und Denkraster ein außergewöhnlicher Text, der aus der deutschen Literatur nicht wieder wegzudenken sein wird."
Victor Klemperer wurde 1881 in Landsberg/Warthe als achtes Kind eines Rabbiners geboren. 1890 übersiedelte die Familie nach Berlin, wo der Vater zweiter Prediger einer Reformgemeinde wurde. Nach dem Besuch verschiedener Gymnasien, unterbrochen durch eine Kaufmannslehre, studierte Klemperer von 1902 bis 1905 Philosophie, Romanistik und Germanistik in München, Genf, Paris, Berlin. Bis er 1912 das Studium in München wieder aufnahm, lebte er in Berlin als Journalist und Schriftsteller. 1912 konvertierte er zum Protestantismus. 1913 Promotion, 1914 bei Karl Vossler Habilitation. 1914/15 Lektor an der Universität Neapel. Hier entstand eine zweibändige Montesquieu-Studie. Als Kriegsfreiwilliger zunächst an der Front, dann als Zensor im Buchprüfungsamt in Kowno und Leipzig. 1919 o. a. Professor an der Universität München. 1920 erhielt er ein Lehramt für Romanistik an der Technischen Hochschule in Dresden, aus dem er 1935 wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen wurde. 1938 begann Klemperer mit der Niederschrift seiner Lebensgeschichte "Curriculum vitae". 1940 Zwangseinweisung in ein Dresdener Judenhaus. Nach seiner Flucht aus Dresden im Februar 1945 kehrte Klemperer im Juni aus Bayern nach Dresden zurück. Im November wurde er zum o. Professor an der Technischen Universität Dresden ernannt. Eintritt in die KPD. 1947 erschien seine Sprach-Analyse des Dritten Reiches, "LTI" (Lingua Tertii Imperii), im Aufbau-Verlag. Von 1947 bis 1960 lehrte Klemperer an den Universitäten Greifswald, Halle und Berlin. 1950 Abgeordneter des Kulturbundes in der Volkskammer der DDR. 1952 Nationalpreis III. Klasse. 1953 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Victor Klemperer starb 1960 in Dresden. Geschwister-Scholl-Preis 1995. Weitere Veröffentlichungen u.a.: "Moderne Französische Prosa" (1923); "Die französische Literatur von Napoleon bis zur Gegenwart", 4 Bände (1925-1931); "Pierre Corneille" (1933); "Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert" (Band 1 1954, Band 2 1966). Aus dem Nachlaß: "Curriculum vitae" (1989), "Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933-1945” (1995), "Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum. Tagebücher 1918-1932” (1996),"So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Tagebücher 1945-1959” (1999) und “Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919” (2015).
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