Linksunten in Kärnten

Kommunisten und Kommunistinnen in Österreichs Süden
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  • Verlag: Selbstverlag
  • 02.11.2018
  • Buch
  • 116 Seiten
  • Paperback
  • ISBN: 978-3-200-05879-8
„Linksunten in Kärnten. Kommunisten und Kommunistinnen in Österreichs Süden“ von Daniel Jamritsch wurde vom Zukunftsfonds der Republik Österreich gefördert und ist im Eigenverlag erschienen. Dem Text sind die Biographien zahlreicher Mitglieder bzw. Funktionäre der KPÖ Kärnten beigefügt. 

Vorwort

Die 1918 gegründete Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) bildete in Kärnten eines ihrer politischen Zentren. Angesichts der deutschnationalen Prägung der Kärntner Sozialdemokratie ermöglichte sie hier eine konkrete Alternative für Teile der Arbeiterschaft und der slowenischen Volksgruppe, die im alltäglichen Leben auf Werte wie Antifaschismus, Internationalismus und Solidarität in hohem Maß angewiesen waren. Zum einen ist gerade das Zusammenwirken linker Kräfte aus dem slowenisch- und deutschsprachigen Gebiet Kärntens ein wesentlicher Faktor für die phasenweise Stärke der Kommunisten, zum anderen führte genau dieser Umstand - speziell in Hinblick auf die jugoslawischen Territorialforderungen nach 1945 - immer wieder zu Bruchlinien in der Landesorganisation, die in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden sollen. Vorausgeschickt werden kann eine Einschätzung des Historikers Theodor Domej, wonach in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in keiner anderen Partei die Grenz- und Minderheitenfrage eine so bedeutende Rolle [spielte] wie in der KP Kärntens. Alle Höhen und Tiefen dieser Kleinpartei seien Domej zufolge aufs engste mit der Minderheitenfrage verbunden.

Das bürgerliche und deutschnationale, allerdings auch das sozialdemokratische Lager hat der KPÖ die zeitweilig starke Zusammenarbeit mit der slowenischen Volksgruppe nie verziehen. Ihr Herz und ihre Heimat sind nicht hier, urteilte etwa die in Klagenfurt erscheinende Tageszeitung Neue Zeit über die KPÖ, die das Selbstbestimmungsrecht der Kärntner Slowenen forderte, nach dem Zweiten Weltkrieg. Jenem Krieg, in welchem Kommunisten als führende organisierte Kraft für die Befreiung vom NS-Regime und für die Wiederherstellung Österreichs gekämpft hatten. Nach 1945 knüpften ÖVP, SPÖ und Organisationen wie etwa der Kärntner Heimatdienst an antikommunistische Ressentiments aus der Vorkriegs- und NS-Zeit an und betteten diese - nun in Grenzlage zum sozialistisch gewordenen Jugoslawien - in den antislawischen Kärntner Konsens ein.

Trotzdem zog die KPÖ nach Kriegsende kurzzeitig in die Kärntner Landesregierung ein und erreichte bei der Landtagswahl im November 1945, für die sie eine Wahlempfehlung von der slowenischen Befreiungsfront Osvobodilna Fronta erhalten hatte, drei Mandate im Landtag. Doch schon unmittelbar nach dem sowjetisch-jugoslawischen Zerwürfnis im Jahr 1948, als Tito Stalins Führungsanspruch verweigerte, büßte die Kärntner KP ihren Einflussbereich wieder ein, weil sie als sture Verfechterin der anti-titoistischen Position Stalins einen großen Teil ihres kärntner-slowenischen Mitglieder- und Wählerbestandes vergrault hatte.

Es ist ebenso wenig Zufall, dass die Partei nach den Aufständen in Ungarn aus dem österreichischen Parlament ausschied, wie auch der Verlust ihres letzten Landtagsmandats unmittelbar nach dem Prager Frühling. Nach dem zunehmenden Verlust ihres Macht- und Einflussbereiches verlor die KP mit dem Ende ihrer Tageszeitung Volkswille 1989 schließlich auch ihr regional-publizistisches Standbein und erreichte bei Wahlen keine nennenswerten Erfolge mehr. Mit dem Untergang der Sowjetunion, der einen global entfesselten Kapitalismus zur Folge hatte - in regionalem Maßstab steht diese Entwicklung durchaus in Zusammenhang mit dem Aufstieg eines Jörg Haiders - ist die politische Rolle der kommunistischen Linken auch in Kärnten in die Bedeutungslosigkeit übergegangen. Seit Ende der 1970er-Jahre erreichte sie nicht mehr die Ein-Prozent-Hürde bei den Landtagswahlen, 1997 verlor sie ihr letztes Gemeinderatsmandat im ehemaligen Industrieort Bleiberg.

2018 begeht die KPÖ ihren 100. Jahrestag. Ich möchte versuchen, die bislang wenig beachtete und oft von Widersprüchen begleitete Parteigeschichte der Kärntner KPÖ zu skizzieren, wobei ich den Schwerpunkt auf das Parteigeschehen im Spannungsfeld der nationalen Kräfte setze. Ein bestimmender Bestandteil des Quellengerüstes sind neben einschlägiger Literatur, Interviews und Archivalien auch Publikationen aus dem Umfeld der Partei, darunter Rote Fahne, Volksstimme, Volkswille und Kärntner Bolschewik. Die vorliegende Arbeit basiert also zu einem bedeutsamen Teil auf Quellen und Zeugnissen jener Menschen, die dieses hier zur Behandlung stehende jüngste Stück Kärntner Landesgeschichte selbst „mitgemacht“ und mitgestaltet haben.

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