Waldheim und die Folgen

Der parteipolitische Umgang mit dem Nationalsozialismus in Österreich
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  • Verlag: Campus
  • 01.05.2013
  • Buch
  • 529 Seiten
  • Paperback
  • ISBN: 978-3-593-39852-5
  • AutorInnen: Lehnguth, Cornelius
  • Buchtitel: Waldheim und die Folgen
  • Untertitel: Der parteipolitische Umgang mit dem Nationalsozialismus in Österreich
  • ISBN: 978-3-593-39852-5
  • Verlag: Campus
  • Produktart: Buch
  • Seiten: 529
  • Erscheinung: 01.05.2013
  • Einband: Paperback
  • Reihe (Titel): Studien zur historischen Sozialwissenschaft
  • Bandnummer: 35
1986 wurde Österreich vom Skandal um die Verstrickungen des Bundespräsidenten Kurt Waldheim in den Nationalsozialismus erschüttert. Bis dahin hatte die Zweite Republik eine Mitverantwortung für Holocaust und Kriegsgräuel zurückgewiesen und damit jeden Anspruch der Opfer erfolgreich abgewehrt. Infolge internationaler Kritik und inländischer Proteste begann eine bis heute andauernde Auseinandersetzung um die Neubewertung der NS-Vergangenheit. Dabei wurde darum gestritten, wie weit die Mitverantwortung reiche und welche Formen des Gedenkens, aber auch der Entschädigung gegenüber den Opfern angemessen wären.

Erstmals untersucht Cornelius Lehnguth die Kontroversen zwischen den im Nationalrat vertretenen Parteien, deren gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Auswirkungen. Dabei zeigt er, dass es auch um Generationenkonflikte ging, denn es spielte eine große Rolle, wie Parteienvertreter den Nationalsozialismus und eventuelle eigene Verstrickungen wahrnahmen und bewerteten. Lehnguths Fazit bleibt ambivalent: In der Frage, wie weit die österreichische Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus geht, herrscht bis heute keine Einigkeit.

Inhalt
Einleitung 11 1.Forschungsinteresse 11 2.Nationalsozialismus und Gedächtnis als Forschungsgegenstand 13 3.Theoretische und methodische Zugänge: Gedächtnis und Generation 19 3.1.Gedächtnis, Narrativ und Geschichtspolitik 19 3.2.Generation und Situationsdeutung 23 3.3.Politische Generationen in Österreich 27 4.Fragestellungen und Hypothesen 53 5.Methodik, Quellen und Aufbau der Arbeit 55 Österreichische Gedächtnisgeschichte und Vergangenheitspolitik 1945-1986 58 1.Nationalsozialismus und Gedächtnisgeschichte 58 1.1.Die "Moskauer Deklaration" als "Magna Charta" der Zweiten Republik 58 1.2.Die innenpolitische Verselbständigung der Opferthese62 1.3.Opferthese und Kriegsdienst 64 1.4.Der antifaschistische Rekurs auf die Opferthese ab Mitte der 1960er Jahre 66 2.Nationalsozialismus und Vergangenheitspolitik 68 2.1.Entnazifizierung und Amnestie 68 2.2."Wiedergutmachung" 70 2.3.Exkurs: Kunstrückgabe 74 3.Nationalsozialismus und die österreichischen Parteien77 3.1.Nationalsozialismus, Antisemitismus, Entnazifizierung und "Wiedergutmachung" im Spiegel der Gründungsparteien ÖVP, SPÖ und KPÖ 77 3.2.Die Formierung des "nationalen" Lagers 84 3.3.Die innerparteiliche Integration ehemaliger Nationalsozialisten86 4.Zusammenfassung: Die Externalisierung des Nationalsozialismus und die Parteien89 Aufbruch und Beharrung 1986-1988 91 1.Die Waldheim-Affäre und ihre geschichtspolitischen Auswirkungen 92 1.1.Die Waldheim-Affäre 92 1.2.Waldheim und die Opferthese - Geschichtspolitische Positionen der Parteien 111 1.3.Die Watch-List-Debatte 1987 126 1.4.Exkurs: Der "Republikanische Club Neues Österreich" und das zivilgesellschaftliche Engagement der Intellektuellen 135 2.Das Gedenkjahr 1988 152 2.1.Das Gedenken der staatlichen Repräsentanten154 2.2.Das Gedenken der parteipolitischen Akteure159 2.3.Das Ehrengaben- und Hilfsfondsgesetz 1988172 3.Kulturpolitische "Stellvertreterkriege"178 3.1.Die Kontroverse um das "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus" 179 3.2.Die Kontroverse um "Heldenplatz" 191 4.Zusammenfassung: Aufbruch und Beharrung 200 Von der Opferthese zum offiziellen Bekenntnis zur Mitverantwortung 205 1.Vranitzkys Bekenntnis zur Mitverantwortung 1991 und die Reaktionen der Parteien und der Öffentlichkeit206 1.1.Drei Dimensionen des Mitverantwortungsbekenntnisses211 1.2.Das Mitverantwortungsbekenntnis in der Retrospektive der politischen Akteure 226 2.Die Wiederannäherung - Die Erklärungen von Vranitzky und Klestil in Israel231 3.Das Gedenkjahr 1995237 4.Zusammenfassung246 Vergangenheitspolitische Konsequenzen der Mitverantwortung und geschichtspolitische Gegenläufigkeiten seit den 1990er Jahren 249 Materielle Konsequenzen: Die Parteien und die "Wiedergutmachung" 249 1.Zwischen Opfer- und Mitverantwortungsthese: Die Parteien und die "Wiedergutmachung" 1988-1995250 1.1.Der Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus254 1.2.Die Errichtung des Nationalfonds in der Retrospektive der politischen Akteure 268 2.Die "Holocaust Era Assets"-Debatte in Österreich 273 2.1.Die Internationalisierung von Entschädigung und Restitution 273 2.2.Erste Maßnahmen in Österreich - Kunstrückgabegesetz und Historikerkommission 277 2.3.Zwangsarbeiterfonds und Allgemeiner Entschädigungsfonds 287 2.4.Exkurs: Waldheim remixed - Die ÖVP/FPÖ-Regierung und die "EU-Sanktionen" 304 2.5.Die Errichtung des Versöhnungs- und Allgemeinen Entschädigungsfonds in der Retrospektive der politischen Akteure 310 2.6."Causa Leopold", die "goldene Adele" und die Novellierung des Kunstrückgabegesetzes 314 3.Die Rehabilitierung der Deserteure 324 4.Zusammenfassung: Die Parteien und die "Wiedergutmachung" 340 Ambivalente Erinnerung: Die Parteien und die Erinnerungskultur 344 1.Denkmal- und Ausstellungskontroversen344 1.1.Wehrmachtslegende und Opferthese - Die Kontroversen um das Stalingrad-Denkmal und die Wehrmachtsausstellung(en)344 1.2.Die Kontroverse um das Holocaust-Denkmal 377 1.3.Die Kontroverse um das "Haus der Toleranz"/"Haus der Geschichte" 398 2. "Offizielles" Gedenken und Geschichtspolitik im narrativen Spannungsfeld internationaler, staatlicher und innerparteilicher Anforderungen421 2.1.Von der "Kosmopolitisierung" zur (supra-)staatlichen Institutionalisierung des Holocaust-Gedenkens 421 2.2.Das "Gedankenjahr" 2005 und der geschichtspolitische Rollback 427 2.3. Das Gedenkjahr 2008 und die Forcierung des Mitverantwortungsnarrativs 441 2.4.Der Fall "Heinrich Gross", die SPÖ und die innerparteiliche Geschichtspolitik 445 3.Zusammenfassung: Die Parteien und die Erinnerungskultur 457 Fazit461 Dank 472 Anhang: Quellen- und Literaturverzeichnis 473 1.Quellen 473 1.1.Archive 473 1.2.Periodika und Presseagenturen 473 1.3.Reden und Dokumente 475 1.4.Interviews durch den Verfasser 482 1.5.Internet 483 2.Literatur484 3.Personenregister 522
Cornelius Lehnguth, Dr. rer. pol., studierte in Leipzig Politik- und Kulturwissenschaften und verbrachte für seine Promotion in den Jahren 2007/2008 zwei längere Studienaufenthalte in Wien. Er ist derzeit als Hochschulreferent an der Universität Frankfurt tätig.
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