Kulturgeschichte der Technik

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  • Verlag: Campus
  • 01.09.2012
  • Buch
  • 217 Seiten
  • Paperback
  • ISBN: 978-3-593-39740-5
Menschen waren schon immer auf die Nutzung von Technik angewiesen, aber seit dem 19. Jahrhundert leben wir in einer "verdichteten" technischen Kultur. Was dies für eine moderne Technikgeschichte bedeutet, erläutert Martina Heßler anhand der Bereiche Produktion, Haushalt, Mobilität und Kommunikation, Menschenbild sowie Unfälle und deren Folgen. Dabei schildert sie, wie sich Praktiken und Wahrnehmungen - vor allem in Bezug auf Raum und Zeit - und das menschliche Selbstverständnis im Kontext von Technologien wandelten. Sie liefert damit eine umfassende Einführung in Zugänge und Gegenstand der Technikgeschichte. Darüber hinaus begründet sie damit eine Kulturgeschichte der Technik, die auch zukünftige Entwicklungen in den Blick nimmt.

Leseprobe
Ziel des Buches.
In dieser Einführung zur Technikgeschichte geht es darum, die »technische Kultur« des 19. und 20. Jahrhunderts in ihrem historischen Wandel zu betrachten. Daher wird die Disziplin Technikgeschichte anhand verschiedener Themen bzw. lebensweltlicher Felder präsentiert. Ziel ist es, jeweils einen Überblick über Forschungsansätze und -fragen zu geben als auch den technikhistorischen Wandel der einzelnen Felder zu erfassen. Mit der Entscheidung, einzelne Themenfelder zu behandeln, soll der Blick dafür geschärft werden, dass Technikgeschichtsschreibung keine schlichtweg an Artefakten orientierte Geschichtsschreibung ist. Vielmehr soll die grundsätzliche Verwobenheit der menschlichen Existenz mit Technik und deren historischer Wandel anschaulich werden. Es soll, sofern dies mithilfe der existierenden Literatur möglich ist, die stete technische Vermitteltheit des Daseins aufgezeigt und gefragt werden, wie Technik unser Leben, unser Arbeiten, unsere Art und Weise der Fortbewegung und der Kommunikation und unser Menschenbild verändert hat. Ein Kapitel zu Unfällen wird den Band abschließen und die grundsätzliche Ambivalenz sowie die Grenzen einer technischen Kultur aufzeigen.
Diese Entscheidung bedeutet, dass Geschichte nicht vorrangig aus der Perspektive einzelner Technologien wie der Geschichte des Computers, der Eisenbahn, der Beleuchtung etc. geschrieben wird. Auch wird die Vergangenheit nicht in »Zeitalter« entsprechend zentraler Innovationen eingeteilt, wie es zuweilen üblich ist: die Geschichte des Computerzeitalters, des Atomzeitalters, des Maschinenzeitalters usw. Zudem ist Technikgeschichtsschreibung inzwischen ein ausdifferenziertes Feld, das sowohl eine wirtschafts- und unternehmensgeschichtliche Perspektive als auch politik-, sozial-, kultur- und diskurs- oder medienhistorische Fragestellungen integriert. Nicht alle Aspekte werden gleichermaßen Berücksichtigung finden können. Der Schwerpunkt liegt auf kulturgeschichtlichen Fragestellungen. Auch muss notwendigerweise die Zahl der Kapitel in einem Buch beschränkt bleiben, obwohl es gleichermaßen wichtig wäre, sich die Geschichte der Ernährung, des Sports, des Vergnügens, des Wohnens, der Sexualität oder weiterer Felder aus technikhistorischer Perspektive anzuschauen. Bereits vorhandene Einführungen und Überblickswerke ergänzen das vorliegende Buch und lenken den Blick auf andere Aspekte und Erkenntnisse. Einen breiten Überblick über das Fach bietet König (2009), der seine Darstellung in »Technik in der Industriegesellschaft« und »Technik in der Konsumgesellschaft« einteilt und insbesondere deren Komplementarität betont. Einen eher eklektizistischen Zugang zu einzelnen Aspekten wählen Gleitsmann/Kunze/Oetzel (2009). Einen umfassenden Überblick über die technischen Entwicklungen biete die Propyläen Technikgeschichte. Radkau widmete sich in seinem historischen Überblick über die Technikentwicklung in Deutschland der Frage eines »deutschen Weges« (Radkau 2008). Im angelsächsischen Sprachraum liegen verschiedene Überblickswerke vor, die sich häufig aber auf die Geschichte der USA beschränken (zum Beispiel Schwartz Cowan 1997). Tom Misa legte eine auf die US-amerikanische und europäische Entwicklung konzentrierte Einführung in die Technikgeschichte von der »Renaissance bis zum Internet« vor, in der er anhand von Fallstudien jeweils die wechselseitige Beeinflussung von Technik und Kultur aufzeigt (Misa 2004). In jüngster Zeit sind im deutschsprachigen Raum weitere Einführungen erschienen, die andere Schwerpunkte legen als die hier vorliegende, so beispielsweise die wirtschaftsgeschichtlich orientierte Einführung von Kleinschmidt (2007), weiter Einführungen zu einzelnen Themenfeldern, insbesondere der Industrialisierung oder der Industriellen Revolution (Condrau 2005; Ziegler 2005). Zu erwähnen sind zudem Einführungen zu angrenzenden und mit der Technikgeschichte verflochtenen Disziplinen, nämlich allein drei Einführungen in die Umweltgeschichte (Winiwarter/Knoll 2007; Uekötter 2007; Reith 2011) sowie zur Mediengeschichte (Bösch 2011).
Bislang ist die Technikgeschichtsschreibung zweifellos eine westliche. Die Erforschung globaler technischer Kultur/en steht noch aus und müsste die unterschiedlichen Wege der verschiedenen Weltregionen in eine je spezifische technische Kultur aufzeigen. Hier mangelt es der derzeitigen Technikgeschichtsschreibung an Forschung; transnationale, globale oder allein eine Technikgeschichte nicht westlicher Regionen ist noch viel zu häufig ein Desiderat, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Technikgeschichte beginnt gerade, dies zu füllen.
Martina Heßler ist Professorin für Kultur- und Technikgeschichte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. 
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