Über die Wahrheit

Lateinisch-deutsch
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  • Verlag: Meiner
  • 01.10.2003
  • Buch
  • CXV, 126 Seiten
  • Paperback
  • ISBN: 978-3-7873-1646-5
Der Wahrheitskonzeption Anselms von Canterbury (1033/34-1109) gebührt ein hervorragender Platz in der Geschichte des Wahrheitsbegriffs, weil sie die erste auf eine Definition hinauslaufende Theorie der Wahrheit innerhalb der abendländischen Philosophiegeschichte darstellt, die diesen Namen verdient. In dieser Schrift hat Anselm seine Theorie der Wahrheit in der literarischen Form eines Dialogs entwickelt.
Die große Relevanz der Wahrheitstheorie Anselms für die geistige Situation unserer Zeit liegt in ihrem mit beeindruckender Konsequenz durchgeführten Versuch, die eine (mögliche) welttranszendente Bedeutungsdimension und die vielen (tatsächlichen) endlichen Erscheinungsformen und Verwendungsweisen von "Wahrheit" in eine einheitliche, für alle diese Vorkommnisse von Wahrheit gültige Definition des Wahrheitsbegriffs zu integrieren.

Diese synoptische Perspektive läßt sich dem umfassenden Wahrheitsrelativismus, der das Wahrheitsphänomen nur noch auf der Ebene der Satz- und Urteilswahrheit - auch hier meist unter Bestreitung seines Bezugs auf außersprachlich Gegebenes - gelten läßt, und der damit verbundenen Verengung unserer Wirklichkeitswahrnehmung entgegensetzen.

Die zweisprachige Studienausgabe dieser Schrift, die nicht nur für den Seminargebrauch, sondern auch als Lektüre für jeden an Bedeutung und Geschichte des Wahrheitsbegriffs interessierten Leser geeignet ist, rekonstruiert auf dem neuesten Forschungsstand ausführlich den argumentativen Aufbau und rationalen Gehalt dieser Schrift im Gesamtzusammenhang des anselmischen Denkens. Die deutsche Übersetzung ist mit zahlreichen weiterführenden, in den Anmerkungsteil aufgenommenen Erläuterungen versehen, die ein genaues Textverständnis ermöglichen sollen.
Anselm von Canterbury wird 1033 in Aosta geboren. Mit 26 Jahren tritt er in das Benediktinerkloster Le Bec ein, wird nur drei Jahre später Prior und 1078 Abt des Klosters. Dort genießt er hohes Ansehen und wird von den Mönchen aufgefordert, die Meditationen, die seinem Unterricht zugrunde liegen, aufzuschreiben. 1076 entsteht das erste systematische Werk Monologion. Hier wird der Versuch unternommen zu zeigen, daß die Vernunft selbst notwendigerweise zu den Einsichten führt, die der christliche Glaube vom Wesen Gottes behauptet. Der Ausgangspunkt seines theologischen Denkens ist der Satz credo, ut intelligam (Ich glaube, damit ich erkenne). In der kurz darauf folgenden Schrift Proslogion, entwickelt Anselm den „ontologischen Gottesbeweis“, in dem er als erster den Begriff „Gott“ durch die Formulierung dessen ersetzt, „worüber hinaus Vollkommeneres nicht gedacht werden kann“. Somit wird eine Argumentationsstruktur geschaffen, die es erlaubt, mit logischen Verfahrensregeln existenzneutral den Gottesbeweis anzutreten. Auch De Veritate, eine der ersten Definitionen des Wahrheitsbegriffs in der abendländischen Philosophiegeschichte erscheint in dieser Zeit.
1093 folgt Anselm seinem früheren Lehrer Lanfrank als Erzbischof von Canterbury nach. Dort gerät er nach Ausbruch des Investiturstreites mit dem König in Konflikt und muß sich für mehrere Jahre ins Exil nach Rom und Lyon begeben. Erst 1107 kehrte der „Vater der Scholastik“ nach England zurück. Die Wirkung seiner Schriften reicht bis in die Neuzeit, in der Anselms ontologisches Argument grundlegend für die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Absoluten wird. Er stirbt 1109 in Canterbury. 
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